Neu am Horizont: Grenada Koalition


Possible at last: A hit from the bong!

Warum eigentlich nicht? Denn:

  • Rot-Rot-Grün erhält von allen Koalitionsoptionen die meiste Zustimmung. Geht nur eben rechnerisch nicht.
  • Martin Schulz hat in der Elefantenrunde bewiesen, dass er zum kämpferischen Vollblutpolitiker taugt. Wer anders zum Kuckuck sollte die Regierung führen?
  • Die FDP darf schampustrinkend digital durchstarten und kümmert sich um den Ausbau liberaler Freiheiten.
  • Die Linken sorgen für den linken Zusammenhalt der Gesellschaft.
  • Die Union kann sich im Bündnis mit der AfD endlich als konservative Partei profilieren und wieder wie einst unter Dregger und Strauß scharfzüngig ressentimentgeladene Opposition machen. Vielleicht finden sich dafür sogar ein paar rassige Weiber.
  • Stellt sich die Frage, ob die Grünen reif sind für die große sozial-libertäre Einheitspartei.

Das globale Flaggenarsenal muß ausgebaut werden und die Heraldik hinkt noch hinterher. So muß einstweilen ein kleiner Inselstaat als Namensgeber herhalten. Immerhin karibisch. Statt warm anziehen, Leute: Laßt die Hüllen fallen! Es lebe Grenada!

Tödlich-tragische Finalität

Pädophilie, behauptet die Kulturwissenschaftlerin Marta Georgi mit Blick auf die jüngsten ‚Enthüllungen‘, sei gar keine Eigenschaft konkreter Individuen. Die Ontogenese der Pädophilie sei reine Mystifikation. Sie folge einem heute gängigen Muster der Rationalisierung sexueller Vorlieben als (zweiter) Natur, einem unentschiedenen Streit: Anlage oder Umwelt. Es sind die Gene, sagen die einen. Frühkindliche oder sozialisatorische Einflüsse, die anderen. Tertium datur, sagt Marta Georgi. Es ist keines von beidem, sondern ein Drittes: Geschichte. (mehr…)

Edathy-Schock

Die Titanic berichtete zuerst – hier wird nachgelegt:

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Socken mit Karomustern

Simpel, aber gut gemacht. Da wird tief (v)erinnertes als archetypisches Familienidyll inszeniert, locker flockig flauschig, im vertrauten Pullunder-Design mit adretten Karokrägen, einer Vintage-Mischung aus Coco Chanel und Maria von Trapp, Meister-Propper-Soap und weißer Milch der Frühe; Dr. Oetker, Onkel Dittmeyer und Mr. Kellogs, der Erfinder des Antimasturbations-Brotes schweben als gute Geister, als Mütter-Versteher und Freunde artiger Kinder über der Szene, schnurpsen mit, crunchy-nuttig und albern und unter dem Tisch pendelt das blonde Bübchen mit den Beinen …

Scham müßte einen überkommen, dass man als annehmbar und immer noch (wieder?) zeitgemäß empfindet, was nur noch aus Nachkriegszitaten besteht: das Nichtentlassen-Wollen des Kindes aus dem Gefängnis unseres Gefühls für »es«, das Celebrieren des quietschenden Gesichtskrampfes im Angesicht seiner sheer cuteness.

Dies ist der Ausweg aus dem Suspense-Moment, der einen alten amerikanischen Spot zitiert, in denen Hausfrauen, die miterleben müssen, wie ihre kleinen Jungen an den Schwänzen spielen, für Augenblicke der Atem stockt, bis sie sich dafür entscheiden, darüber hinwegzusehen, es niedlich zu finden und den kids die Hosen stramm zu ziehen.

Unberechenbar ist die Welt geworden, lockt und droht ständig mit Neuerungen, fragmentiert uns – so zeichnen wir unser Selbst in abstrakten und gebrochenen Formen (die Form zeichnet uns aus), unsere Kind-Symbolisierung aber schreitet zurück zu Marcel Marlier oder den Ladybird-Books.

Die Pointe ist nicht die Auflösung in nichtsexuelles, es sei denn als das altbekannte Ärgernis der kritischen Theorie: dass uns der Fetisch Ware stets um den eigentlichen Genuß betrügt … die Pointe ist der Hinweis darauf, uns in eine hochnotpeinliche Lage verstrickt zu haben, die das suck‘it nur als ‚dreckige Phantasie‘ gelten lassen kann.

Wen interessieren schon Socken mit Karo-Mustern, die ausgezogen gehören.

Quellen zur Naturgeschichte der bürgerlichen Erziehung*



* Untertitel von K. Rutschkys Schwarze Pädagogik – Hefttitel des STERN: 2008 und 2015

Nachdem der STERN bereits 2008 das ‚Monsterkind‘ in herausfordernder Pose plakatierte (»Los, erzieht mich!«), geht er in seiner aktuellen Ausgabe mit ähnlichlautendem Titel aufs Ganze: »Kinder fordern: Eltern, erzieht uns!« – So das angebliche Fazit einer Studie von Marktpsychologen, die der STERN in Auftrag gegeben hat.

Dabei fördern die Befragungen eigentlich nur Bekanntes zutage: Kinder wünschen sich Zeit, Verständnis, ernstzunehmende Erwachsene, sich liebende Eltern. Der common-sense-Begriff der Erziehung verweist indes – trotz aller Rettungsversuche pädagogisch Tätiger – auf seine Gründungsakte in bürgerlicher Frühzeit, in denen qua Unmündigkeitserklärung der Kinder Herrschaft, Heteronomie, Zucht und strukturelle Gewalt legitimiert wurden. Passager, aber ‚ganzheitlich‘! Auf diesen common sense spekuliert der STERN und skandiert damit die seit über einem Jahrzehnt von Hickethier, Siggelkow, Gaschke, Winterhoff und Konsorten propagierte (Familien-)Erziehungsoffensive. Heil der liebevollen Strenge!

Pippi Langstrumpf war gestern. Zweifellos auch sie eine Projektion Erwachsener, Modell und Ermutigung. STERN verkauft uns Erziehung dreist als natürliche condition humaine, sanktioniert durch die ‚authentische Stimme‘ der Zu-Erziehenden selbst.1 Das ist der Brüller des Monats.

Es ist geradezu ein Musterbeispiel für die von Roland Barthes analysierten Mythen des Alltags – Analogon zum ‚Neger‘, der der französischen Fahne seinen Gruß entbietet. Als Entschuldigung für die (Re-)Hierarchisierung und die hierin eingebundene spezielle Verhaltensbereitschaft gegenüber dem Diminutiv Kind funktioniert das unterstellte Begehren, erzogen zu werden, analog zur exkulpierenden Phantasie amerikanischer Eltern, die ihre Kinder for their own good auf den Hintern schlagen: »Deep down inside they know they need it!« Das verschwiegene deep downcover up im STERN.

  1. Der Widerspruch in Neil Postmans Ruf nach Erziehung ist ausradiert: vom Wissen über die historischen Konstruktions- u. Zurichtungsbedingungen der Kindheit auf der einen und der Klage um das Verschwinden der Kindheit auf der anderen Seite, bleibt nur letztere: mit Dummheit und Militanz gerüstet. [zurück]