Archiv für Mai 2010

Abzählreime für Pädos

eene meene karremann
war an’ner heißen sache dran
eene meene beier
kriegt sie an die eier
eene meene stasischäuble
zieh‘mer an gesetzesschräuble
eene meene vonderleyen
hörte schon die babies schreyen
eene meene tauss
… und du bist raus
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Aus der Geschichte geworfen / This is love

Mattias Glasners Film »This is love« erzählt zwei Geschichten: die der Polizeikommisarin Maggie und die des Geschäftsmannes und „Moralarbeiters“ Chris. Maggie ist von ihrem Mann verlassen worden und sucht nach Gründen für die überraschend aufgekündigte Liebe. Sie hat ihre Trauer auf Dauer gestellt und ertränkt ihre Verzweiflung im Alkohol. 16 lange Jahre entfernt sie sich nicht wirklich vom Zeitpunkt ihres zerbrochenden Glücks. Nach 16 Jahren entdeckt sie den Grund für die Abkehr ihrer Mannes in Eifersucht und einem lancierten Missverstädnis. Chris befreit kleine Mädchen aus südaostasiatischen Bordellen, um sie in Europa an adoptionswillige Ehepaare zu verkaufen. Er – ebenso überraschend – findet in Janjira die Liebe, nach der zu suchen er sich zeitlebens versagt hat. Seine aufkeimenden Gefühle für die Zehnjährige steuern in die Katastrophe, externalisieren sich als Katastrophe: glücklos am Ende auch seine Liebe. (mehr…)

Ästhetik der verletzten Existenz / II

Sartres Buch über Genet ist eine ästhetische Würdigung der Existenz Genets. Einmal als heroischer Plot und zum zweiten ganz unmittelbar als Gegenstand des literarischen Genres Roman, der sich nur poetologisch erschließen läßt: Ästhetik des Sinns und Ästhetik der Form. Wo Sartre moralisch argumentiert, indem er die tradierten Kategorien gut und böse durcheinanderwirbelt, ohne ihnen gänzlich zu entsagen, wechselt er zum Pamphlet über, wie in der anhängigen »Selbstdarstellung des anständigen Menschen«. Der anständige Mensch ist ästhetisch neutral, Genet positiv konnotiert. Aber der anständige Mensch ist nicht nur Horizont (gleichsam im moralischen Jenseits) für Genets ästhetische Selbsterfindung – er ist Ursache der ästhetischen Revolte/Selbstverwirklichung. Denn es ist ja ein Repräsentant jener anständigen Menschheit, der Genet mit dem »ontologischen Fluch« (Du bist ein Dieb, haltet den Dieb) belegt, ihm die entscheidende Verletzung zufügt, die ihn schwindeln läßt und von der die Geschichte ihren Ausgang nimmt. Wie Judas als Erfüllungsgehilfe der Heilsgeschichte ist jene anonyme Stimme in der Geschichte Genets eine notwendige, ästhetisch positive Figur.

- I o A -


Max Paradise & Malcolm Stumpf, Wild tigers I have known

Als die Lesung beendet und das Gros der Gäste gegangen war, rückte der Buchhändler die Stellwand beiseite und zeigte dem verzückten Dichter und einem nicht minder begeisterten Lektor die lebensgroßen Portraits der beiden Filmhelden – wie eine unverkäufliche Trophäe.