Archiv für Januar 2015

Will McBride ist tot

Es war abzusehen, dass er das Jahr nicht überleben würde. Er war schwer krank.

Eine späte Genugtuung – und wohl auch notwendige verkaufsfördernde Maßnahme – war die Eröffnung der c/o Foundation im Amerikahaus im vergangenen Herbst. Die Granden aus Politik und Kultur gaben sich – und ihm – die Ehre. Sein Adenauer hat Ähnlichkeiten mit einem Reptil. Nein, Will McBride ist kein Karikaturist.

Einer seiner Lehrer war Norman Rockwell, der auf so unverwechselbare Art, mit warmherziger Ironie, den amerkanischen Alltag portraitierte, als New Deal zwischen den Generationen: wir geben euch, den Kindern, neue Erlebniswelten und Ausdrucksfreiheit – aber ihr müßt auch ein wenig unserem sentimentalen Bild von Kind entsprechen: lebensfroh, übermütig, unschuldig, erotisierend. Eine friedfertig gedachte Welt. Rockwell soll McBride auch nahegelegt haben, Zeichenstift und Pinsel niederzulegen und sich besser auf die Fotografie zu konzentrieren.

Ich erinnere mich an eine kleine Veranstaltung im Innenhof und Atelier seines Hauses im Berliner Scheunenviertel, vor fast zehn Jahren. Es sollte eine Verkaufsausstellung werden – und Will war sehr betrübt darüber, dass seine Plastiken und Gemälde nicht dasselbe Interesse weckten, wie seine berühmten Fotografien. Der befreundete Dichter Thomas Böhme stahl ihm die Show. Dazu ein schöner Junge, der mit gespannter Aufmerksamkeit der Lesung lauschte. Um die Besucher richtig zu leiten, war im Torbogen die lebensgroße Plastik eines nackten Jungen aufgestellt – eine Hausnummer weiter machte zu dieser Zeit „Kind im Zentrum“ ‚Therapie‘ mit den unsublimierten Formen der Bewunderung für solche Jungen.

Meine Gedanken sind bei seinen FreundInnen und letzten Unterstützern.

Ethische Monstren


Das große Heft / Le grand cahier Titel der 2013
bei Piper erschienenen Ausgabe.

Die ungarische Schriftstellerin Agota Kristof schrieb diesen Roman, der 1986 in Paris erschien, in einer fremden Sprache. (mehr…)

DEFA 1

Großes Kino hat die DDR nicht hervorgebracht. Dieser Umstand ist erklärungsbedürftig. Die Dürftigkeit ihres Filmschaffens gegenüber etwa der Qualität und Masse ihrer literarischen Produktion scheint nicht in technischer oder personaler Not begründet. Auch die kulturelle Planwirtschaft – mit der nährenden Mutter DEFA als einziger Filmpoduzentin – lähmte nicht die Produktivität: es hat kein Disengangement, keinen Schlendrian gegeben. Noch weniger ist es jene spezifische Eigentümlichkeit der DEFA, Filmkust im Kollektiv hervorzubringen und zu verantworten1, die den Mangel an Innovation und internationaler Beachtung erkären kann. Was dann? (mehr…)