Socken mit Karomustern

Simpel, aber gut gemacht. Da wird tief (v)erinnertes als archetypisches Familienidyll inszeniert, locker flockig flauschig, im vertrauten Pullunder-Design mit adretten Karokrägen, einer Vintage-Mischung aus Coco Chanel und Maria von Trapp, Meister-Propper-Soap und weißer Milch der Frühe; Dr. Oetker, Onkel Dittmeyer und Mr. Kellogs, der Erfinder des Antimasturbations-Brotes schweben als gute Geister, als Mütter-Versteher und Freunde artiger Kinder über der Szene, schnurpsen mit, crunchy-nuttig und albern und unter dem Tisch pendelt das blonde Bübchen mit den Beinen …

Scham müßte einen überkommen, dass man als annehmbar und immer noch (wieder?) zeitgemäß empfindet, was nur noch aus Nachkriegszitaten besteht: das Nichtentlassen-Wollen des Kindes aus dem Gefängnis unseres Gefühls für »es«, das Celebrieren des quietschenden Gesichtskrampfes im Angesicht seiner sheer cuteness.

Dies ist der Ausweg aus dem Suspense-Moment, der einen alten amerikanischen Spot zitiert, in denen Hausfrauen, die miterleben müssen, wie ihre kleinen Jungen an den Schwänzen spielen, für Augenblicke der Atem stockt, bis sie sich dafür entscheiden, darüber hinwegzusehen, es niedlich zu finden und den kids die Hosen stramm zu ziehen.

Unberechenbar ist die Welt geworden, lockt und droht ständig mit Neuerungen, fragmentiert uns – so zeichnen wir unser Selbst in abstrakten und gebrochenen Formen (die Form zeichnet uns aus), unsere Kind-Symbolisierung aber schreitet zurück zu Marcel Marlier oder den Ladybird-Books.

Die Pointe ist nicht die Auflösung in nichtsexuelles, es sei denn als das altbekannte Ärgernis der kritischen Theorie: dass uns der Fetisch Ware stets um den eigentlichen Genuß betrügt … die Pointe ist der Hinweis darauf, uns in eine hochnotpeinliche Lage verstrickt zu haben, die das suck‘it nur als ‚dreckige Phantasie‘ gelten lassen kann.

Wen interessieren schon Socken mit Karo-Mustern, die ausgezogen gehören.


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